12.08.2010

Armut - immer deutlicher


von Volker Wulle


Die Armut und das Elend der Menschen werden immer deutlicher sichtbar.
Selbst in einer Kleinstadt wie Bad Camberg.

Man kann es einfach nicht ignorieren. Es sei, wir verschließen die Augen vor der Wirklichkeit.

Ich treffe immer wieder auf eine ältere Frau, die wie ich auch, mit dem Fahrrad unterwegs ist.
Ihr Blick sowie ihr Äußeres verraten mir, dass sie schon seit längerer Zeit aufgegeben hat.

Da ich sie öfters mit einem Müllsack voller Flaschen in den Getränkemarkt gehen sehe, nehme ich an, dass sie solche sammelt.
Die Ausbeute dürfte sehr mager sein.
Einen Euro. Wenn überhaupt.

Ich sah sie auch kurze Zeit in einem Supermarkt, wo sie wohl versuchte, mit einer gerinfügigen Beschäftigung ihren Lebensunterhalt aufzubessern.
Jetzt sehe ich sie dort nicht mehr.
Sie hatte wohl dem Druck nicht standhalten können. Körperlich und psychisch.

Druck in einer geringfügigen Beschäftigung?
Ja.
Wer darauf angewiesen ist, kann sich als Freiwild betrachten.

Vor ein paar Tagen begegnete ich einem Obdachlosen.
Ebenfalls mit einem Fahrrad unterwegs, das vor Rost starrte.
Ich schätzte diesen Mann auf Anfang fünfzig.
Sein intelligenter Blick signalisierte mir, dass er noch nicht lange auf der Straße unterwegs sein konnte.

Dieses Bild habe ich noch vor Augen, und frage mich immer wieder, welche Lebensumstände ihn dazu gezwungen haben.
Ich nehme wahr, denke nach, und versuche meine eigene Angst zu zügeln.

Zwei Beispiele aus einer Kleinstadt.
Zwei Beispiele von vielen Eindrücken aus dieser brutalen Realität einer brutalen Politik

CC-Lizenz

Keine Kommentare: