21.08.2010

Hartz 4-Tagebuch: 1 Euro-Job gegen den Hunger

von Volker Wulle

Nun ist es wieder einmal soweit.
Ich werde für ein paar Monate eine 1 Euro-Tätigkeit als Bürokraft in der Schulbücherei einer Schule ausüben.
Sechs Stunden am Tag, bei einer dreißig Stundenwoche ...

Nein. Die Arge hatte mich nicht dazu gezwungen, eine Ausnahme gängiger Praxis durch Zwang.
Mein Sachbearbeiter zeigt noch durchaus menschliche Züge, was allerdings nichts an dieser erbärmlichen Sachlage ändert.

Leider bin ich auch hierbei nicht Herr meiner eigenen freien Entscheidungen.
Die Not treibt mich dazu.
Mit diesem Zusatzverdienst von 120 Euro im Monat kann ich wenigstens noch meine Ernährung aufrecht erhalten.
Jedenfalls für ein paar Monate.
An meiner Gesamtsituation in Hartz 4 wird sich allerdings nichts ändern.
Und diese Situation ist kaum mehr zu ertragen, da sie mich entwürdigt sowie mich meiner Freiheit beraubt.

Leider sind noch immer sehr viele Menschen der Meinung, dass 1 Euro-Jobs mehr als gerechtfertigt seien.
Die Argumente der steuerzahlenden Bevölkerung, Langzeitarbeitslose mitfinanzieren zu müssen, zeugt von einer kurzsichtigen und irrigen Denkweise.

Sie finanzieren mit ihren Steuergeldern diejenigen, die durch den Billiglohnbereich noch mehr Gewinne erzielen, ohne gerechte Arbeitsplätze zu schaffen.
Da zeigt sich der eigene Horizont sehr beschränkt, und eine klare Sichtweise bezüglich dieser gewollten Politik mehr als vernebelt.

Es zeigt sich für mich immer wieder auf, dass klärende Gespräche über diese Thematik nicht erwünscht sind.
Wir wollen die Wahrheiten nicht wissen, Tatsachen, die an unserem Leben rütteln würden.

Wir leben in einer Kultur der Verdrängungen.
Nichts ist einfacher, als dies.

CC-Lizenz

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