03.06.2017

Hartz IV im Alltag – nur eine Frage des Gewissens.

Soll ich, soll ich nicht...
Schon mal mit einem rebellierenden Gewissen diskutiert, vor einer prall gefüllten Tiefkühltruhe?
Hähnchenschenkel in Alupfanne, 1 Kilo, gewürzt – für Dreidreißig.
Soll ich, soll ich nicht, reicht doch für zwei Tage.
Pfui Gewissen, lass mich nicht leiden.

Um irgendwie aus dieser verdammten Zwickmühle herauszukommen, kralle ich ein Bund Radieschen, liebäugele mit Apfel und Kräuterquark – ein perfektes Alibi. Nun aber schnell zurück zur Truhe, zu aufreizenden Schenkeln abgemurkster Mitgeschöpfe.
(Zwischenzeitlich fällt eine Banane aus der Kiste, wird aus ästhetischen Gründen sogleich entsorgt. Kunden mögen kein verunglücktes Obst.)

An der Kasse gebe ich mich gelassen, grüße verschämt in die Runde, entschuldige mich zaghaft bei einer Spindeldürren, deren Ausdünstung mich sogleich an schlecht gewürztes Tofu erinnert. Fühle mich unter ihren Blicken wie frisch gehacktes Schweinefleisch und schlimmer noch.

Von  irren Blicken einer Gutesserin verfolgt, sitze ich zerknirscht vor dem Küchenherd, starre deprimiert in die Backröhre, auf halbgebräunte Schenkel und warte auf das Ende.

Kommentare:

Anna hat gesagt…

".......und warte auf das Ende. "

Wenn Du Pech hast, musst Du darauf noch lange warten. Mein tiefes Mitgefühl für Dein tiefes Mitgefühl ist Dir gewiss.

Ich habe aber Abhilfe: Mal doch einfach alles!Das Leben ist doch ein reines Konstrukt. Du kannst sogar ein Huhn sein. Ein freilaufendes Huhn! Mein Bauer hat den Hühnern sogar Schattenspender gepflanzt. Ein echt idyllisches Bild. Wenn es regnet, können sie selbstbestimmt in ihren Wagen. Wenn sie beim Eierlegen schwächeln, so nach 2 Jahren, darf man sie als Suppenhühner erwerben, sehr preiswert.

Widme Dich schönen Bildern, damit Du Dir vor dem Ende sowas wie "artgerechte Hühnerhaltung" ermöglicht hast. In diesem Leben wird das niemand anderer für Dich tun. Du weißt doch, wie es kleinen Vögelchen geht, wenn sie von der Mama gefüttert werden sollen. Sie müssen den Schnabel in ihre Richtung öffnen, da Mama nur dort etwas hineinsteckt, von wo das richtige Signal ausgesendet wird. Mama ist da ganz eigen.

frei-blog hat gesagt…

Anna, von wegen Schnabel öffnen. Eher wohl den Schnabel halten, sonst gibt es nix mehr zu futtern; vieleicht noch eine Hand voll Brotkrumen für's Brotsüppchen.
Ein Leben als Huhn kann ich mir schon gar nicht vorstellen, weil viel zu gefährlich. Hatte früher zwei putzige Eierproduzentinnen, zur Freude meines kriminellen Hundes – ein ausgebuffter Eierdieb der Marke Taschenklau. Bis ein Marder kam, "Berta" und "Marianne" killte.
Selbst Freilaufende sind ihres Lebens nicht mehr sicher.

Anna hat gesagt…

Da hast Du auch wieder recht.

Wird' s besser, wird's schlimmer?
frag ich alljährlich.
Seien wir ehrlich,
leben ist immer lebensgefährlich. (E. Kästner)